Statistik in der VersicherungswirtschaftOhne die Statistik ist die Versicherungswirtschaft nicht lebensfähig. Nur durch statistische Untersuchungen können überhaupt Versicherungstarife erstellt und angewendet werden. Diese Kernaussage ist die Grundlage für die Existenz der heutigen Versicherungsgesellschaften. Neben dieser Grundlagen-Statistik werden aber weitere Statistiken in der Versicherungswirtschaft veröffentlicht, die sich z.B. über die Geschäftserfolge bestimmter Versicherungssparten und festgelegter Zeiteinheiten definieren. Der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft GDV veröffentlicht dazu jährlich das „statistische Taschenbuch der Versicherungswirtschaft“.
Methodische Grundlagen der Statistik in der Versicherungswirtschaft
Die besondere Bedeutung der Statistik in der Versicherungswirtschaft kommt auch darin zum Ausdruck, dass für dieses Fachgebiet besondere Studiengänge an verschiedenen deutschen Universitäten eingerichtet wurden. In diesen Studiengängen werden Statistiken erarbeitet und erforscht, wie zum Beispiel die Lebenserwartung und Sterblichkeit in Deutschland seit 1871, Bevölkerungsprognosen für Deutschland bis 2050 und die Anforderungen an Armutsmaße und ihre Erfüllung bei verschiedenen Armutskoeffizienten. Auch die Darstellung verschiedener Typen von Sterbetafeln (Periodentafeln, Generationentafeln und Selektionstafeln) zur Entwicklung einer angemessenen Sterbetafel für Lebensversicherungen mit Todesfallcharakter gehört zu den Studien der Statistik in der Versicherungswirtschaft.
Statistik in der Rentenversicherung
Die mathematischen Grundlagen für die deutsche Rentenversicherung sind ebenfalls in der Statistik zu finden. Ohne grundlegende statistische Angaben über die Bevölkerungsentwicklung kann ein Rentenversicherungssystem nicht existieren. Bedenkt man, dass bei Einführung der Rentenversicherung in Deutschland im Jahre 1891 die Lebenserwartung eines männlichen Neugeborenen bei 40,5 Jahren lag und heute von einer Lebensdauer von über 75 Jahren ausgegangen wird, so kann ,man ermessen, dass es nur die Statistik erlaubt, hierauf versicherungstechnisch angemessen zu reagieren.
Statistik in der Kfz-Versicherung
Die unterschiedlichen Tarife in der Kfz-Versicherung basieren auf statistischen Werten der Versicherungsnehmer in den einzelnen Versicherungsgesellschaften. Nur so kann man erfassen, dass ein Versicherungsnehmer, der ein eigene Haus auf dem Lande besitzt, eine Garage sein eigen nennt und über 25 Jahre alt ist, ein geringeres Risiko darstellt, als ein 18 jähriger, der einen Parkplatz vor einer Wohnung in einer Großstadt benutzt. Die Verfeinerung der Statistik in der Kfz-Versicherung ermöglicht erst die vielen Tarifvarianten.
ZÜRS – die Statistik für die Elementarschadenversicherung
Das Zonierungssystem für Überschwemmung, Hochwasser und Rückstau, kurz ZÜRS genannt, ist ein webbasiertes Geoinformationssystem und wurde vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) zur Einschätzung von Naturgefahren entwickelt. Das System ermöglicht es, Standorte deutschlandweit hinsichtlich ihrer Hochwasser- und Umweltgefährdung aufgrund statistischer Erhebungen risikogerecht zu bewerten. Bis zur Inbetriebnahme dieser Statistik zur Verwendung in der Elementarschadenversicherung wurden über 10 Millionen Daten von Gebäuden und Daten von über 100 Ämtern der Wasserwirtschaft für über 400.000 km Fließgewässer und 356.000 km² Einzugsgebietsflächen von Donau/ Rhein/ Ems/ Weser/ Elbe/ Oder/ Ost- und Nordsee verarbeitet. Aufgrund der statistischen Daten wurde die Bundesrepublik Deutschland und teilweise die Nachbarstaaten Schweiz und Österreich in Gefährdungszonen eingeteilt, die eine statistische Abgrenzung der Risiken für fast jeden Ort erlaubt.
Statistik in der Einbruch-Diebstahlversicherung
Auch die Tarife in der Einbruch-Diebstahlversicherung beruhen auf den statistischen Auswertungen der Einbrüche und Diebstähle für bestimmte Regionen. In der Einbruch-Diebstahlversicherung sind die Risken statistisch nach Gefahrenklassen eingeteilt, die sich auf den statistischen Erhebungen hinsichtlich Einbrüchen und Diebstahlen bei der Polizei und den Versicherungsgesellschaften gründen.
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